Daishin Zen Schule

Wir glauben an die Freiheit jedes Menschen

von Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski

 
Entwickele das Heilsame in dir

Der Buddhismus, Zen, Daishin Zen glaubt an die Freiheit und Befreiung des Menschen, jedes einzelnen. Jeder Mensch hat mit Beginn seines Lebens ein auergewhnliches, groes Geschenk mitbekommen. Und der Sinn unseres Lebens besteht darin, dieses Geschenk zu ffnen - unabhngig davon, wo wir herkommen und unabhngig davon, in was wir verstrickt sind.

Schon Sokrates hatte dafr ein Bild, ein Hhlengleichnis, eines der bekanntesten Gleichnisse der antiken Philosophie erzhlt von Platon, der einen Dialog mit seinem Lehrer Sokrates wiedergibt. Darin leben Menschen in einer Hhle und erkennen die Dinge nur dadurch, dass hinter einer Wand, vor einem Feuer, die Dinge vorbeigetragen werden und die Menschen nur die Schatten dieser Dinge sehen. In diesem Beispiel sagte der Philosoph bereits rund 400 Jahre vor Christus: Wie verwundert mssen die Menschen sein, wenn sie die Dinge zum ersten Mal richtig sehen.

Und die Dinge richtig sehen, das knnen wir. Das ist die Berhrung unseres Herzens. Aber wie gewaltig, sagt Socrates weiter, ist es, wenn wir von der Ketten der Hhle befreit hinaustreten in die groe Natur, Licht, Helligkeit, Sonne. Das ist unsere unmittelbare Wirklichkeit, die in jedem Menschen von uns wohnt.

Wolken kommen und gehen ganz natrlich

Herzweisheit bedeutet unendlicher, weiter Raum, blauer Himmel und eine goldene Sonne mitten drin. Und das Zentrum dieser Sonne sind wir selbst. Unsere Vergangenheit, unser Karma, unser Weg, eine Summe von Erfahrungen, Verstrickungen, Gedanken, Gefhlen, Krperlichkeit und viele, viele Dinge, die im Hannyashingyo als Skandhas benannt werden: Krpergefhl, Wahrnehmung, Bewusstsein Bewusstsein in Sinne von Denken - erzeugen die Unmengen an Wolken, die diesen blauen Himmel verdecken. Zwar ist es so: Ohne diesen Himmel und ohne diese Sonne wrden wir auch diese Wolken nicht sehen, denn das Licht strahlt auch durch sie hindurch. Dadurch, dass wir sie sehen, sind wir gleichzeitig Zeuge des Lichts dahinter. White clouds naturally come and go.

Wolken haben keine Wurzeln. Gedanken kommen und gehen - endlos. In dem Ma, in dem wir in sie hineingehen, verstricken wir uns. Entweder kmpfen wir mit ihnen oder wir ersehnen sie. Erst wenn wir inne halten, ist Stille. Wir beobachten, wie die kleine Gedanken und die groen schweren Gefhle kommen und gehen. Manchmal, hier und dort, ein kleiner Moment, der Himmel reit auf, unser Herz wird berhrt. Und wir kennen diese Berhrung: es ist die Liebe.

Natrlich ist es so, dass die Liebe uns berhrt, doch es dauert nicht lange und sie ist wieder verbunden wie die Wolken: Mit den Wolken von Beziehung, mit den Wolken der Erziehung von den Kindern, was auch immer. Aber berhrt-sein ist auch schon ein Bezeugen. Das adelt uns Menschen.

Spirituelle Wege, besonders die des Mahayana Buddhismus, Zen oder die tibetische Ausrichtung sind ein Innehalten, eine Stille, ein Sich-Erden - das ist die bung. Aber inmitten dieser bung des Stille-Werdens, des Sich-Erdens, der Form, zu der wir unseren Willen benutzen knnen, unsere Sehnsucht benutzen knnen, da gibt es einen kleinen, besonderen Moment und dann haben wir eine Chance dahinter. Und in diesem Moment der Hingabe - ein zartes kleines Gefhl oder ein gewaltiges, groes - knnen wir springen, ohne Furcht.

Meditation ist ein befreit werden fr den Moment

Christlich gesehen knnte man sagen: die Meditation ist ein Bereitwerden fr den Moment, in dem wir Gott begegnen. Im Zen wrden wir sagen: Bereitsein fr Freiheit und Herzweisheit.

Die unendliche Sonne der Herzweisheit scheint immer in uns. Die Momente aber, in denen die Wolkendecke reit, gibt es hier und dort. Der Weg der bung ist die Form, die Schale. Der Inhalt ist das Aufleuchten. Die Brcke zwischen beiden ist eure Sehnsucht. Das Berhrt-sein, die Sehnsucht nach Verbindung, nach Nach-Hause-kommen, nach Frieden.

So grenzenlos wie der Himmel ist euer Herz und wenn ihr diesem begegnet,
wenn es sich ffnet, dann ist es wichtig, dieses Herz uneingeschrnkt
einfach nur fr euch selbst zu ffnen.
Es ist euer Erbrecht als Mensch.

So grenzenlos wie der Himmel soll mein Mitgefhl mit mir selber sein.
So grenzenlos wie der Himmel soll meine Liebe mit mir selber sein.
So grenzenlos wie der Himmel soll meine Freude mit mir selber sein.
So grenzenlos wie der Himmel ist meine Gelassenheit,
meine Freiheit in mir und durch mich selbst.

Und durch diesen Raum, der sich ffnet, immer weiter und weiter, ohne Grenzen, ist meine Verbindung mit anderen, zum Beispiel jetzt, hier: ein Herz. Es ist immer ein Herz zuerst auch mit euch selbst, dann alle anderen und dann alle Menschen in diesem Horizontkreis, in dieser Umgebung, alle Tiere, alle Wesen, und dann: Grenzenlos. Offene Weite.

Aus diesem Gefhl von Gte, Liebe, Freude und Gelassenheit in mir ffnet sich ein Raum fr Gte, Liebe, Freude und Gelassenheit mit allen anderen. Verbindung.

Catvari Apramana Cittani

Maitri, Gte wie ein Sonnenmeer
Karuna, Liebe wie eine Mutter zu ihrem Kind
Mudita, Freude wie die Frhlingssonne
Upekkha, Gelassenheit wie ein stiller weiter Ozean

Die Verbindung dieser Herzsonne mit unserem Krper,
die Verbindung dieser Herzsonne mit unserem Gefhl ,
die Verbindung dieser Herzsonne mit unserer Wahrnehmung,
die Verbindung dieser Herzsonne mit unseren Willensregungen,
die Verbindung dieser Herzsonne mit unserem Bewusstsein,
ist die Verbindung zwischen mir und der Welt, Zeuge zu werden.
So reinige ich mein Denken, mein Reden, mein Handeln und so reinige ich mein Herz.

Und wenn mein Herz gereinigt ist, werden andere Wesen geboren, dessen Herz ebenfalls rein ist.